California - Alaska (Teil 2)

 ... und dann basteln wir uns eine Blockhütte

Jugendtraum Blockhütte – Abenteuer für Warmduscher

Einmal mit dem Kanu in den Busch paddeln und dann eine winzige Blockhütte bauen, dieses Erlebnis wollten wir uns gönnen (Anm.: schon aus Gründen des Naturschutzes halte ich das heute nicht mehr für richtig, abgesehen davon, dass es in der Wildnis schon genügend leer stehende Hütten gibt, die man für so eine Idee mit Erlaubnis der Eigentümer benutzen könnte, lohnt sich der Aufwand schlicht nicht).

Also suchten wir auf der Karte eine „geeignete“ Gegend. Der Platz sollte mit dem Kanu in einem Tag erreichbar sein. Ein Fluss oder ein Seenverbund kam somit in Frage. Die erste Idee führte uns in ein Indianerreservat am Mentasta Lake. Dort wollte man uns allerdings keine Genehmigung erteilen. Die Leute waren sichtlich wenig erpicht unsere spleenige Idee zu unterstützen. Als wir nach einer kurzen Gesprächsrunde wieder weiterfahren wollten, war gar ein Reifen platt und es dauerte eine Weile, bis wir wieder on the road waren. Der Lake Louise war unser nächstes Ziel. An der Lake Louise Junction bekommen wir Karten, die auch alle Private Properties enthielten. Am private Airstrip neben der Straße wollen wir uns etwas erkundigen und werden zu Bier und geräuchertem Lachs eingeladen. Die 3 älteren Männer haben einiges zu erzählen: am Mendeltna Creek – Old Man Lake seien zu viele Bären, die Lachse fischen. Wir bekommen einen alten Blecheimer gezeigt, den ein Grizzly für seinen Frühstücksnapf hielt und imposante Löcher hinterlassen hat. Ok, da entscheiden wir uns lieber für den Little Lake Louise. Schauen wir uns die Sache mal aus der Nähe an. Über eine Schotterstraße geht’s zum großen Lake Louise. Die Aussicht ist Klasse. Blick auf Gletscher, tintenblaue Teiche, die schneebedeckten 4000er der Chugach Mountains. Unterwegs sehen wir ein Porcupine (Stachelschwein) und Susanne ist wie frisch verliebt und streichelt das Tier sogar an der Nase – das Porcy macht allerdings eher einen ängstlichen Eindruck. In der Evergreen Lodge gönnen wir uns einen Kaffee und dann stellen wir den VW am Ende der Straße ab. Nach überqueren eines Wasserkanals geht es auf einem hügeligen Schotterweg bis an den Grayling Creek. Ab hier könnten wir das Kanu einsetzen und zum Little Lake Louise paddeln – das werden wir tun.  

Wer gerne mal an der winzigen Hütte vorbeischauen möchte, kann das gerne tun.

Karte grob    Karte Detail

Falls wer dort war / hingeht – bitte um ein E-Mail. Nach all den Jahren wäre es schön, zu wissen, wie es dort jetzt aussieht.  

 

Nachtrag 2005: Bob Couey hat uns Bilder der Hütte geschickt - Die Aufnahmen sind ca. April 2004 gemacht worden.

 

Hi Bob, many thanks for the pictures - have a good time.

Tagebuch Blockhüttenbau

Do 30. Juli

Erkundungstour. Wir tragen das Kanu und einen Rucksack mit Zelt, Plane, Axt und diversem Zeugs zum Grayling Creek. Etwa 2 Km auf dem Schotterweg über 2 Hügel hinweg – schöne Schufterei mit dem Kanu. Ein junger, verspielter Schäferhund, mit dem sich Susanne gestern angefreundet hat, folgt uns. Als wir das Kanu an einer Furt einsetzen – auf der anderen Seite des Creek führt der Schotterweg zu einigen bewohnten Hütten – watet er hinüber, wo anscheinend sein zuhause ist. Es ist regnerisch. Wir paddeln stromauf zum Little Lake Louise. Der Hund folgt uns am Ufer. Dann fahren wir nach links in den See ein – Hundi will nicht mit ins Boot und bleibt zurück. Dann landen wir erst mal in einer Bucht und schauen zurück: Hundi paddelt mitten im See und folgt uns. Rund 500 Meter schwimmt er so, bis wir ihn ins Boot hieven. Sein Name bleibt jetzt, er heißt einfach Hundi. Vorbei an einer winzigen Insel, auf der ein Cache (winzige Hütte auf Stelzen, ähnlich einem gut ausgebauten Jägerstand) steht. Alle Plätze, die wir anschauen, sind sumpfig. Erst als wir in einen kleinen Bach einfahren (es ist auch der Grayling Creek, der den See durchfließt), und nach 200 Metern wegen der Strömung anlanden müssen, sieht es besser aus. Zunächst finden wir einen von Fichten umgebenen ebenen und trockenen Platz mit einer alten Feuerstelle. Etwas weiter hügelaufwärts gibt es dann eine Fläche, die für eine Hütte geeignet scheint. Wir bauen unter den Fichten unser Basislager auf. Hundi spielt und buddelt Löcher, legt sich dann in das Fichtennadelbett und schläft. Auf der Rückfahrt kommt uns alles schon heimeliger vor. An der Furt angelangt steht dort ein Junge mit Angel und ein Mann neben seinem Geländewagen (wie kommt das Auto nur hierher?). Hundi, den wir weiter stromauf an Land gelassen haben, rennt zu ihnen hin – ah, da ist das richtige Herrchen ja. Wir reden eine Weile und er lädt uns ein, ihn einmal zu besuchen.

Freitag

Packen. 2 schwere Rucksäcke, Nahrungsmittel usw. Dann geht es zum Creek. Das Paddeln mach heute viel mehr Spaß, da die Sonne scheint. Am Basislager beginnen wir einen Hochstand für die Nahrungsmittel zu bauen – wegen der Bären. Wegen der Bären haben wir vorsichtshalber an einer Tankstelle unterwegs eine gebrauchte Pumpgun erstanden. Das ist nicht legal, aber bei diesem Privatverkauf hatte keiner der Beteiligten irgendwelche Gewissensbisse. Nur die Munition mussten wir in einem regulären Laden besorgen – 5 dicke Patronen, von denen wir annahmen, es seien Bullets, also anstatt mit Schrot mit einer dicken Bleikugel gefüllt. Im Grunde hatte ich keine Ahnung, was Schusswaffen angeht, abgesehen von den Schießübungen während meiner Bundeswehrzeit.

Nun denn, der Hochstand wird eine recht schweißtreibende, harzige Arbeit. Endlich sind Rucksack uns Essenstonne oben verstaut. Dann gibt es Essen – kalt, weil die meisten Sachen noch im Auto liegen. Ins Bett fallen wir quasi von alleine. Müdigkeit ist reichlich vorhanden, doch der Schlaf will sich nicht einstellen. Jedes Geräusch lässt uns an Grizzlys denken, Regen trommelt auf unsere über das Zelt gespannte Plastikplane und irgendwann fällt die Planenkonstruktion durch das Wassergewicht um. Ich muss raus und alles fester verankern.

Samstag

Los geht´s. Wir graben das Fundament. Mit unserem Klappspaten nicht die reinste Freude. Susanne wird wegen der Fliegen fast verrückt. Der erste Baum (Bäumchen) wir gefällt und mit Steinen und Sand in eine waagerechte Lage gebracht. Mittags paddeln wir zum Auto zurück und bleiben über Nacht. Es regnet wieder. Ein Bären und sorgenfreier Schlaf.

Sonntag

Zurück zum Lager. Wir haben die nötigen Nahrungsmittel dabei und auch was zum Lesen sowie Kleidung. Müsste eine Woche reichen. Wir statten dem Cache einen Besuch ab. Drinnen sind eine dicke Matratze, Töpfe, Axt, Hammer und ein Tischchen. Der Kalender an der Wand ist von 1968. Eine Bisamratte taucht vor unserem Kanu weg. Die Sonne scheint und wir filmen auf Super 8 Szenen vom Hüttenbau. Dann geht es weiter mit Baum fällen. Zu Mittag gibt es Knödel mit Kartoffelsuppe und viel zu trinken, denn wir haben unbändigen Durst. Das Wasser wird abgekocht und später abgekühlt in Plastikflaschen gefüllt – die würden bei heißem Wasser zusammenschrumpeln.

Montag

Wir schlafen schon besser, heißt ruhiger. Susanne steht früh auf, weil es da weniger Mücken hat. Das Einkerben der Stämme mache ich nach Pi mal Daumen Regel. Dann gibt es Chickensoup und Kaffee. Beim herunterholen des Essens fällt der wasserdichte Kanusack mit der Flasche Jim Beam herunter. Ein paar Tropfen im Sack können wir retten ) per Kaffefilter die Glassplitter ausseien), die Scheren packen wir ein. Schade drum. Bäume fällen. Susanne macht Reis mit Speck, Zwiebeln und Karotten. Am Grayling Creek, 30 Meter vom Bauplatz, ist ein kleiner Sandstrand, an dem wir uns waschen können. Das kurze Bad tut gut, nur die Moskitos halten sich dabei schadlos.

Dienstag

Kaffe und Müsli tun gut, ich bin ganz groggy. Es dauert eine Weile bis ich wieder in Schwung komme. Routinemäßiges Bauen folgt, eine Mittagspause. Die Batterien in meinem Fotoapparat sind alle, wahrscheinlich war die Kamera durch Kurzschluss nach dem Kanuunfall dauern an. Aber Susannes Foto funktioniert noch.

Mittwoch

Nach dem Frühstück am wärmenden Feuer geht es wie immer völlig lasch und müde zur Baustelle. Essen ist immer eine komplizierte Angelegenheit: hochsteigen, runterholen, rumkruschteln, kochen, alles peinlich sauber halten, gleich abspülen, alles wieder hochschaffen. Heute weht ein stürmischer Wind und die Moskitos zeigen sich nicht – Susanne ist begeistert, so einfach kann Glück definiert werden. Am Ende des Tages sind 4 Lagen Baumstämme aufeinander. Klasse, denn jetzt können wir uns gemütlich hinsetzen und uns anlehnen. Allerdings haben wir von unserem ursprünglichen Plan eine brauchbare Hütte zu bauen mittlerweile Abstand genommen. Die Schlafseite wollen wir nur so hoch bauen, wie nötig, die andere Hüttenhälfte soll mit Stehhöhe auskommen. Das erste Tier das sich in unsere Nähe wagt ist ein Eichhörnchen. Elch wäre ja auch schön (Spuren waren an unserem Strand), aber besser Oachkatzl als Bär.

Donnerstag

Heute gehen wir auf ein kurzes Intermezzo zum Auto zurück. Während Susanne alles richtet, flache ich den dicken Balken ab den wir gestern zu zweit angeschleppt haben, ca. 50-60 Kg schwer, das Teil. Dann geht’s zum Auto. Es tut gut, mal wieder was anderes zu tun, als Bäume zu bearbeiten. Die Muskeln sind überanstrengt. Uns beiden schlafen regelmäßig die Finger ein. Sie kribbeln und sind irgendwie taub. Eine Sehnenscheidenentzündung am rechten Unterarm bahnt sich wohl auch an. Unterwegs werfen wir die Angel aus – nichts passiert, außer das der Blinker hängen bleibt. Im Auto legen wir uns auf die Polster und schon sind wir eingeschlafen.

Freitag

Schlechtes Wetter. Nach dem Frühstück gehen wir die paar Kilometer zur nächsten Lodge. Dort gibt es eine erstklassige Dusche für 2$ pro Person. Wolf Klein, ein Deutscher aus Garmisch, betätigt sich hier als Aushilfskoch. Er hat Zeit bis zum nächsten Frühjahr und will vielleicht in das Lodgegeschäft einsteigen, als Teilhaber, und in Deutschland Werbung machen mit Sport Scheck, Neckermann und Co. Wir bestellen Chicken und Pommes, Wolf schwatzt uns je ein Achtel Wein auf und der lohnt sich. Kaffee gibt es umsonst und den Superausblick auf den See sowieso. Dann hören wir was von Apfelstreusel und Wolf fragt uns, ob wir noch Kaffe wollen. Bestimmt nicht, sage ich, denn  3 Tassen habe ich schon intus. „Ihr trinkt bestimmt noch einen“ sagt Wolf. Dann kommt er mit seinem eigenen selbst gemachten Apfelkuchen. Den gibt es gratis und unsere Augen leuchten wie die Nordlichter. Zum Abschied gibt es noch eingepackten Apfelkuchen.

Samstag

Schönes Wetter. Wir paddeln zum Lager und schuften weiter. Nachts muss ich raus und sehe einen herrlichen Mond, riesig groß zwischen den Bäumen. Ich habe noch öfter das Vergnügen, weil ich am Abend so viel Tee und Kaffee getrunken habe.

Sonntag

Wir registrieren das Wochenende anhand von verwehtem Lärm und Gewehrgeballer. Heute ist der Beginn der Jagdsaison. Mittags baden wir im Bach – es ist tierisch heiß. Abends sehen wir einen Bisam, wie er Gräser sammelt.

Montag

Wir haben den dicken Balken eingebaut, in den wir eine Art Fensteraussparung gesägt haben. Die Motivation sinkt beträchtlich, das Ganze artet in Fronarbeit aus. In der Hitzewelle läuft der Schweiß in Strömen. Sind völlig groggy. Nach einem Mittagsschläfchen sind wir erst recht fertig. Wir haben die Nase voll und beschließen, die Architektur ganz schnell unserer Begeisterung anzupassen: morgen kommen die ersten Dachsparren drauf.

Dienstag

Susanne sägt die dünnen Dachsparren für den niedrigen „Bettbereich“ und nagelt sie drauf. Derweil ziehe ich die andere Hüttenhälfte noch etwas höher. Im Bettbereich graben wir eine Laufkuhle, so können wir in diesem Bereich gut nach hinten gehen. Jetzt sitzt sich´s schon ganz gut unter dem Dach und Susanne hängt noch ein riesiges pinkes Baumwolltuch an den oberen Balken – ein Hauch von Gemütlichkeit. Der Türrahmen wird aus der Vorderwand gesägt. Eine echte Schinderei, den die Säge verklemmt sich andauernd. Mittlerweile fängt unser Käse an zu schimmeln. Susanne wirft ein Stück auf eine Kiesbank im Bach und in kurzer Zeit machen sich die Greyjays darüber her, während wir von Rostbraten, Eis und süßen Stückle träumen.

Mittwoch

Susanne hat Gelenkschmerzen und wir binden die Hand ein, damit sie nicht mehr so belastet wird. Nachts schlafen uns immer noch die Hände ein, selbst das Schreiben tut weh. Dafür ist die erste Dachhälfte fertig geworden, die Plastikplane ist drauf und mit Erde bedeckt.

Donnerstag

Nachts hat es geregnet und da die Plastikplane jetzt auf dem Hüttendach ist, hatten wir Gelegenheit die Qualität unserer neuen Billigzeltes zu bewerten: als Dusche nicht schlecht, wir sind nach der Qualitätsprüfung noch in der Nacht in die Hütte umgezogen. Die Schlafsäcke und die Arbeitshosen waren nass. Die Plastikplane auf der Hütte haben wir nachts noch über einen Querbalken übers ganze Dach gezogen. Endlich im Trockenen. Tagsüber regnet es weiter. Wir legen den First. Susanne macht Blaubeersuppe – es gibt ja genügend vor der Haustür. Nachmittags paddeln wir zum Auto zurück, gehen in die Lodge zum Duschen und fahren dann nach Glenallen zum Tastee Freeze Schnellimbiss. Dann geht es los mit Cheesebaconburger, Pommes und Kaffee, anschließend Banana Royal Eis – wir sind voll bis zum Rand. Wir übernachten auf einem Schotterplatz, wo wir auch einige alte Bretterbohlen finden, die wir als Tür für die Hütte nehmen wollen.

Freitag

Einkaufen und Frühstück im Tastee Freeze. Mittags noch ein Eis und Milchshake. Wir genießen diesen Luxus, sind richtig versessen darauf. Später schauen wir, ob im Mendeltna Creek schon Lachse aufsteigen – njet. Dann fahren wir wieder zurück, bleiben aber die nächste Nacht noch im Bus.

Samstag

Regen, Regen, Regen. Im Bus essen wir und schreiben und spinnen über unsere Zukunft. Abends geht es zur Lodge zum Duschen und Wolf serviert uns Steak mit Bratkartoffeln. Außerdem spendiert er aus seinem kleinen Biervorrat eine Flasche Salvator – sagenhaft. Wir trinken Wein, denken nicht an die Rechnung, morgen soll es Käsekuchen geben.

Wolf war jagen, hatte aber kein Glück. Mit dem Boot hatten sie zwei Elche entdeckt und glitten ohne Motor auf sie zu. Dann kamen andere Jäger in voller Fahrt und die Elche verschwanden im Wald. Wolf ist sauer auf die Typen, denn die entschuldigten sich folgendermaßen: „Ihr schießt den Bullen, da wollten wir die Kuh“.

An diesem Abend platze ich fast, so voll bin ich. Liegt wohl auch eine Art Verstopfung an, aber für einen abschließenden Kakao mit Keksen reicht es dann doch noch – Susanne kann das nicht verstehen.

Sonntag

Frühstück in der Lodge: Blueberry Pancake. Den Käsekuchen nehmen wir mit ins Auto. Susanne hat mit zuhause telefoniert. Wir haben einige Sachen nach Hause geschickt, die Pakete sind angekommen. Ein Päckchen von zuhause lagert bei Karl und Olga in Oregon. Allen geht es gut.

Wieder geht es zur Hütte, diesmal haben wir ein paar Flaschen Bier der Marke „St Pauli Girl“ (seltsame Markennamen gibt es). Das Wetter ist wieder ok und die Türbretter sind bald zusammengenagelt und an den Türrahmen geschraubt. Dann regnet es wieder – wir machen Siesta.

Montag

36 Dachsparren auf die zweite Dachhälfte, mit Moos ausstopfen, Plastikplane drüber, fertig ist das Dach. Dann bastle ich eine Sitzbank. Es regnet wieder, aber dann erscheint ein doppelter Regenbogen. Foto machen und anschließend bei Kerzenlicht ein St. Pauli Girl trinken. Jetzt sieht alles wieder rosiger aus.

Dienstag

Ein bisschen basteln, einen Tisch einbauen,  Gemütlich ist es. Bei den Angelversuchen setze ich die Kunstfliege in eine Baum, dafür macht Susanne ein „Tutti Frutti“. Ich kannte das bisher nicht – schmeckt super. Vanillepudding, in Whiskey eingelegte Kekse schichtweise mit dem Pudding übergießen. Eine harte Droge für einen Pudding, denn die Kekse haben sich schön voll gesaugt. Wir basteln Kleiderhaken und Vorhangstangen.

Mittwoch

Tisch basteln und mit geschnitzten Holzdübeln an die Balkenwand monieren. Dann wandern wir ein bisschen zu einem namenlosen See, sammeln Blueberries, die es hier in Massen gibt. Überall kreuzen ausgetretene Wildpfade - eingetretene Rinnen im sumpfig-moosigen Boden. Erst jetzt wird uns klar was wir in unserem Baufieber alles versäumt haben. Ich installiere ein Grillgitter am Feuerplatz vor der Hütte. Wir kochen jetzt immer direkt vor der Hütte am Feuer – Bären hin, Bären her, wir haben ja bisher keinen gesehen. Wolf sagte uns, dass es hier die zweitdichteste Grizzlypopulation nach der Kodiakinsel geben soll – das können wir uns nun beileibe nicht vorstellen. Abends gehe ich Angeln zum Little Lake Louise. Dort herrscht unglaubliches Abendlicht und am See-Ende ein doppelter Regenbogen. Hektisch laufe ich zurück , hole Susanne und den Foto. Der 200er Film wird etwas körnig sein, aber der ist nun mal gerade eingelegt.

Donnerstag

Schlecht geschlafen. Der Untergrund ist etwas feucht und es ist kälter geworden. Im morgendlichen Sonnenschein gehe ich Makro-Fotografieren – Beeren, Moos, Spinnweben, die glitzern, Heidelbeeren. Diese Ruhe, diese Stimmung. Einfach schön.

Während Susanne Erde für einen Ofen abgräbt, hole ich Steine. Zwischendrin sammle ich Fichtenzweige und Moos, um das Bett zu polstern. Über diese Schicht kommt ein Biwaksack und dann die Liegematten. Herrlich weich das Ganze.

Susanne knetet Brotteig, dann wird der neue Ofen geheizt. Na ja, so ganz will das Brot noch nicht werden – den Ofen müssen wir noch etwas verbessern. Ich gehe mit dem Kanu auf den See zum Angeln. Fische beißen nicht, aber zwei Fischotter schwimmen an mir vorbei unseren Bach hoch. Wenn sie auftauchen, prusten sie und man kann ihren Schnurbart erkennen. Ich bin anschließend ganz aufgekratzt. Susanne empfängt mich mit Kaffe, Brot und Marmelade.

Freitag

Heute ist Designertag. Haare und Bart schneiden ist mehr als notwendig, denn andere Leute könnten mich sonst für jagdbares Wild halten - nach 5 Monaten sehe ich doch etwas verwildert aus. Mittags paddeln wir auf dem See, ziehen die Angel hinterher, im Hintergrund die Schneeriesen der Chugach Mountains.

In der Nacht wachen wir auf. Ich gehe raus, mache Feuer, koche Tee und schaue dem fahlen Nordlicht zu, das über der Hütte wabbert. Der Sternenhimmel ist einmalig schön. Irgendwann wird es heller und ich esse meinen zweiten Müslibecher aus.

Samstag

Susanne strickt, ich bastle am Türrahmen, baue einen Verschlussriegel dazu. Mit Gewehr und Bechern geht es zum Blaubeerpflücken an den namenlosen See. Die Blueberries kommen dann in die Käsekuchenmischung, die wir dabei haben. Beim Paddeln auf dem See sehen wir 2 Trompeterschwäne.

Sonntag

Gemütlicher Tag. Geht wieder mit Angeln, paddeln, basteln und faulenzen herum. Wir sehen Bisame ganz aus der Nähe und wieder Trumpeter  swans.

Montag

Paddeln zum Auto und fahren einkaufen. Duschen in der Lodge. Wolf ist in kurzen Hosen mit Sonnenbaden beschäftigt. Es folgt die übliche Esszeremonie. Abends sehen wir ein einsames Caribou beim Spazieren gehen – wir übernachten heute im Bus. Nachts gibt es ein sagenhaftes Nordlicht. Es fängt verhalten an und schließlich leuchtet der ganze Himmel. Ich scheuche Susanne aus den Federn. Erst ist sie etwas „grätig“, aber dann sieht sie das Nordlicht – eine einmalige Feuerwerksshow. Der Höhepunkt: der ganze Himmel ist in Bewegung, alles flackert und es bilden sich immer neue Figuren und „Vorhänge“. Ein Auto kommt angerollt und erzeugt auf meinem Film eine zusätzliche Lichtspur. Sieht bestimmt gut aus, aber der Motorenlärm stört die Stille empfindlich. Schließlich sehen wir noch 2 Sternschnuppen und dann verblasst die Vorstellung langsam. In einem nahen Baum sitzt eine riesige Eule (Schnee-Eule?). Später in der Nacht kratzt etwas auf unserem Autodach – wird wohl die Eule sein.

Dienstag

Zurück bei der Hütte. Fotografieren, Angeln. Langsam müssen wir an das Ende unserer Amerikareise denken und wir machen Pläne, was wir zum Abschluss in Alaska noch unternehmen könnten. Nachts gibt es wieder Nordlichter, allerdings sind sie weniger intensiv als das gestrige Ereignis.

Mittwoch

Ich bastle wieder an der Hütte. 4 Angler tauchen am Creek auf. Sie sind mit einem Jetboot hier her gekommen und haben 2 Fische gefangen. Ich versuche es auch wieder mit Fliege und kleinem Blei dran, damit sie sinkt. Einige Biegungen bachaufwärts fange ich tatsächlich eine schöne Äsche (Grayling). Abends gibt es etwas Whiskey, denn morgen wollen wir losziehen, weiter Richtung Anchorage.

Donnerstag

Packen nach einem knappen Monat. Für spätere Besucher lassen wir eine Nachricht zurück, dann verriegeln wir die Tür und stopfen die Ritzen mit Moos aus. Heute fahren wir zum ersten mal an der Furt, dem Ende unserer bisherigen Paddelstrecke, vorbei und folgen dem Fluss bis zur Einmündung in den großen Lake Louise. So müssen wir Boot und Gepäck nicht über die Hügelstrecke schleppen. Flussab geht diese Strecke mit 2 maligem treideln – Flussauf wäre es wohl mit etwas Einsatz sicher auch gegangen. Auf dem See geht es am Ufer entlang bis zum Auto. Ende des Jugendtraumes.

Das Aha-Erlebnis zum Schluss

Vor der Weiterfahrt verabschieden wir uns bei Wolf und machen noch ein Treffen in Anchorage aus. Wir fragen ihn, ab er nicht unser Gewehr brauchen könnte und er schaut sich das Ding und die Munition aus der Nähe an. "Das sind aber keine Bullets, die Bären stoppen, das sind Schrotpatronen - gut für Enten".

Nach Anchorage
Nach einer Runde Ventildeckel abdichten, fahren wir Richtung Anchorage. Dort verkaufen wir unser Gewehr für 47$, das Kanu und Kleinigkeiten und lassen den mittlerweile stark öltropfenden Bus in einer Werkstatt anschauen. Könnte die Getriebedichtung sein (200$) oder auch die Kupplungsdichtung (up to 1000$). Soviel woolen wir nicht mehr in den Bus stecken, denn Anchorage ist derzeit eh kein gutes Pflaster um Autos zu verkaufen -  rund 20.000 Menschen haben die Gegend verlassen und viele davon ihr Auto verkauft, weil das Öl aus der Prudhoe Bay nicht mehr fließt, der Ölpreis im Keller ist.  Die Tage vergehen mit einer Fahrt auf die Kenai-Halbinsel und mit Goldwaschen. Dann geht es nordwärts zum Denali Nationalpark.

Wir lassen uns 3 Tage auf dem Theklanika Campground im Park reservieren – bis dorthin kann man dann mit dem eigenen Auto in den Park fahren – allerdings dürfen wir während der 3 Tage das Auto nicht bewegen. Die Regeln im Park sind recht einengend, aber bei dem Besucherandrang ist das verständlich. Mit dem Shuttlebus geht es mittags noch bis zum Eilson Visitor Center (2,5 Stunden). Dort raupelt es und der Denali (Mount Mc Kinley) bleibt unsichtbar im Nebel. Dafür sehen wir Grizzlies neben und auf der Straße und Schneeziegen. Das Wetter ist nicht so der Hit. Am nächsten Morgen sind wir eingeschneit. Die Shuttle Busse fahren nicht, weil die Pässe zugeschneit sind. Am nächsten Tag sind die ersten Busse überfüllt (einer ist ausgefallen). Schließlich, nach 2,5 Stunden,  bekommen wir 1,5 Sitzplätze – unangenehm eng hier. Später kommt von hinten ein halb leerer Bus und die Leute verteilen sich nun besser. Der Denali ist heute sichtbar. Im Schnee entdeckt ein Mitfahrer mit Teleskop einen Elch – jeder will das Tier sehen und alle hechten unf die rechte Seite, bis sich der Bus bedenklich neigt. Mit Fernglas kann ich allerdings nur einen dunklen „Hügel“ erkennen, der genauso gut ein Elefant sein könnte. Landschaftlich ist alles erste Klasse, Bieberburgen und Caribous säumen den Weg. Am Ende der Fahrt, am Wonder Lake gibt es 20 Minuten Pause, zum Beine vertreten, dann geht die Fahrt wieder zurück – keine Zeit für längere Spaziergänge, denn dieser Bus ist auch der letzte für heute.

Abflug

In Ancorage will kein Händler unseren Bus kaufen, endlich bietet einer 300$, am Ende des Tages liegt das Gebot bei 700$. Da unser Rückflug ab Seattle gebucht ist müssen wir noch 2x 360$ für den Flug nach Seattle bezahlen – umbuchen geht nicht. Es dauert noch ein paar Tage, bis alles abgewickelt ist.

12. September

Die letzte Nacht in Alaska verbringen wir auf dem Teppichboden des Flughafens. Jetzt ist die Luft raus aus der Reise. Ein komisches Gefühl. Die große Reise ist aus und obwohl wir uns auf zuhause freuen – endlich wieder ein eigenes Klo, eine Dusche und einen Bäcker mit Bretzeln – sind wir leicht deprimiert, denn 6 Monate reisen werden wir uns so schnell nicht mehr leisten können, und das drückt einen. Diese Reise war einzigartig und fantastisch.

 

Nachtrag:

Und so war es dann. Dieses Gefühl der Freiheit wirkt bis heute nach. Doch Kindersegen und daraus erwachsene Pflichten lassen ein solches Abenteuer nicht mehr zu. Wer so etwas je machen möchte sollte nicht zu lange mit der Verwirklichung warten.

Übrigens erhielten wir 7 Jahre später eine Postkarte aus Alaska, von einem Kanadier, der unsere Hütte fand und darin einige Tage blieb (wir hatten die Adressen dort hinterlassen). Außer einigen Käfern und anderem Kleingetier in der Hütte wäre alles in Ordnung – wir haben uns sehr gefreut.

 

Dieter Ziegler

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