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Sarek-Tagebuch 2001 - Teil 2 |
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Mo. 20.8.2001: Zum Ruotesvagge7.30 raus aus den Synthetikfasern. Leichter Raureif glitzert in der Sonne. Wir passieren das Nationalparkschild, gehen einen kleinen Hang hoch und haben plötzlich Supersicht über eine weite Ebene mit vereinzelt stehenden Birken. Links das Akkamassiv unter blauem Himmel. Zahlreiche Pfadspuren durchziehen die Ebene Richtung Ruotesvagge und münden nach einiger Zeit in eine gut eingetretene Spur - die Sarekautobahn. Man merkt schon das die Hauptverkehrswege in den großen Tälern anders frequentiert werden, als z.B. die Hochebene um den Parekjakka im Osten, die wir vor gut 10 Jahren besucht haben. Oft queren wir kleine Bäche, trinken das klare Wasser und finden dieses "direkt aus dem Bach schöpfen" einfach phänomenal gut. Pause, Wasser mit Multivitamin-Brausetabletten, der üblichen halben Rittersport (quadratisch, praktisch, weg), 2 Brotscheiben, Wurst und Müsliriegel, in der Sonne dösen und weiter. Micha trifft auf einen Kampflemming. Der Kleine zischt und zappelt und lässt sich auch vom hingehaltenen Trekkingstock nicht einschüchtern - ob dieses Verhalten eine gute Überlebensstrategie ist? Irgendwann drückt der Rucksack wieder erbärmlich. Mit Micha laufe ich am Fluss entlang, wir müssen Sumpfflächen umgehen. Die anderen halten sich weiter oben am Hang. Nach der Einmündung des Niakjakatj aus dem Ruotesvagge gehen wir noch ein Stück bis zu einer Flusskurve. Aus dem Tal weht ein eisiger Wind und wir finden hinter einem Hügel einen etwas ruhigeren Lagerplatz mit freier Sicht auf Akka und den Niak, der wie ein Wächter am Eingang des Ruotesvagge steht. Im Abendlicht leuchtet er majestätisch, ein Falke rüttelt in der Luft, ein paar (Raub-?)Möwen gibt es hier auch und 4 Rentiere kommen uns besuchen, als wir warm eingepackt nach dem Essen vor den Zelten liegen. Das Spülen wird zur echten Herausforderung, den der kalte Wind, die bald verschwundene Sonne, das eiskalte Wasser und die Gemüsebrühwürfel haben sich gegen uns verschworen - Fett und Gemüseteilchen haften auf Plastikoberflächen von Essnäpfen und Lexanlöffeln wie geklebt (die Brühwürfel haben wir fortan nie wieder benutzt). Sandmännchenzeit. |
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Di. 21.8.2001 Regen, Regen, Tröpfchen ...Wolken dicht über den Köpfen, beim Laufen nieselt es immer stärker. Kurz vor dem höchsten Punkt im Ruotesvagge fließt ein 15m breiter Bach, der sich gut über Steine queren lässt. Dann sind wir in der Renwächterhütte. Sie ist offen und innen ziemlich versaut: leere Whiskeyflaschen, verschmierter Kaugummi auf dem Tisch, vergammelte Unterhosen ... kaum zu glauben was für "Naturfreunde" sich alles im Sarek verlaufen. Wir unterhalten uns mit einem schwedischen Alleingänger, der von unseren Goretex-Schuhen schwärmt - seine Lundhags sind auch gut, aber immer feucht. Mich drückt es ungemein, muss ausgerechnet im besten Regen mit dem Spaten (ein leichtes Aluschäufelchen) los - was gäbe ich für einen Regenschirm. Der Weiterweg führt ab jetzt wieder bergab. Reichlich Verkehr auf der Autobahn. Der Smailajakka muss gefurtet werden. Zum ersten Mal holen wir die Trekkingsandalen raus, auch der Schwede muss die Lundhags ausziehen. Steff und Martin sind wie üblich schon lang am anderen Ufer. Das milchige Gletscherwasser ist keine 2 cm zu durchschauen und beim ersten ganz schmalen Rinnsaal stehe ich plötzlich bis zu den Oberschenkeln im Wasser, der breite Fluss selbst geht dagegen nur bis an die Knie - recht frisch das Ganze, schön, dass es auch von oben nass ist! Der Weiterweg ist gut ausgetreten, so kann man den Weg nicht verfehlen, auch wenn man beim Laufen mit zugezogener Kapuze stur auf die Fußspitzen schaut. Irgendwann reicht es, Zelte aufbauen und Fastfood wärmen. Alles was über die Mühe von Wasser wärmen geht, wäre jetzt ein Übel - die Trekkingtüten sind hier einfach genial. Der Kartoffeleintopf stopft aber ungemein. Nur Martin und Steff können anschließend noch Ihre planmäßige Portion Mousse au chocolat runterwürgen. Heut hat´s mich erwischt: leichter Durchfall zwingt zu einer weiteren Sitzung. Echt klasse, wenn die Regenhose unten an den Schuhen hängt und die Laufhose mal so richtig nass wird - wo ist mein Regenschirm. |
Mi 22.8.2001 Über Mikkastugan zum PierikjaureWhow, es regnet n i c h t ! Sachen trocknen, Müsli mampfen, mit Kaffe nachspülen und nebenbei die Gletscher über den Talhängen anschauen. Wir nehmen uns Zeit. Der Weg bis zur Mikkastugan ist gemütlich, links zeigen sich die Gipfel des Sarekmassives. Echt alpines Gelände mit 4er Kletterrouten - Hias Rebitsch soll schon hier gewesen sein. An der Mikkastugan sind 2 Zelte auf einem topfebenen Campingrasen. Es sind einige Leute hier (ca. 10 außer uns). Hier gibt es ein Nottelefonhäuschen mit Buch zum Eintragen (macht Sinn falls später was passieren sollte) und sogar ein Klohäuschen. Die Stugan selbst ist verschlossen. Sonne scheint und wir faulenzen eine gute Stunde. Hier ist das Herz des Sarek mit Blick in die Täler Kuopervagge, Alkavagge, oberes Rapatal und die sumpfig grüne Skarjaebene. Der reißende Fluss (Smailajakka vereinigt mit Mikkajakka) wird über eine Brücke überquert, die am Saisonende wieder abgebaut wird. |
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Bald darauf kommt der nächste
Bach. Der Tjagnarisjakatj ist bekanntermaßen bei Regen ein Problem. Heute
haben wir Glück, aber ohne Schuhe ausziehen geht es doch nicht. Steff ist
im "Spring über den Bach-Fieber" und wandert auf der Suche nach
einer geeigneten Stelle immer weiter den Hang hinauf. Der Bach ist
allerdings gute 10 Meter breit und relativ reisend. Weiter oben fällt er
als Wasserfall über eine Steilstufe und dort sieht es aus, als ob die
Felsen auf 2 bis 3 Meter zusammenrücken - absolut utopisch. Egal, Steff
steigt höher, bis wir ihn nicht mehr sehen - zum Gletscher hätte er es
wohl nicht mehr allzu weit. Wir hoffen, dass er kein Risiko eingeht und
Martin fröstelt sich schon mal durch eine passabel aussehende Stelle -
eiskalt dieses Gletschercocktail. Nach Regen dürfte das hier extrem übel
werden. Steff kommt letztlich doch zurück und macht sich gleich mit
Martin wieder in Joggingmanier auf den Weg - irgendwie sind die Jungs
nicht genug ausgelastet, wir sollten ihnen ein paar Steine in den Sack
packen. Im Zickzack geht es durch eine Art Steinernes Meer. Es dauert, bis
wieder ebenes Gelände kommt. Ein kleiner Hügel in der Ferne markiert
unser Ziel in der Nähe des Pierikjaure. Der Rucksack fällt von alleine
vom Rücken. Gemütlicher Abend. Fotos, schöne Stimmung, der letzte Tee
mit Rum. |
Do. 23.8.2001 Ruhetag - Ausflug auf den Pielatjakka
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Wieder zurück, ist Trekkingnahrung und Kaiserschmarren mit Puderzucker angesagt. Martin hat nach 5 Minuten wieder eine recht krustige Teigmasse, Dietmar kocht auf kleiner Flamme und wendet unermüdlich bis alles wie bei Muttern zuhause aussieht. Micha fängt an kleine lose Ästchen zu sammeln, um seine Pfannkuchen auf einem Feuer zu backen. Irgendwann rennt jeder durch die Gegend uns sammelt kleine Holzstückchen. Feuermachen sollte man im Park eigentlich nicht, aber die Versuchung ist einfach zu groß. Micha entfacht das Minifeuerchen auf zusammengetragenen Steinplatten, damit das Ganze keine Spuren hinterlässt. Im Abendlicht leuchtet die Felswand des Pierikpakte rosarot während wir um das Feuer stehen. Fotobilanz: von 10 Diafilmen sind jetzt noch 4 übrig. Einer ist für den wohl schönsten landschaftlichen Anblick Europas, das Rapadelta vom Gipfel des Skierfe, reserviert. Ich muss wohl etwas Haushalten.
Fr. 24.8.2001 Pastavagge - das andere Afghanistan
Sa. 25.8.2001 Sitojaure - Jakatjkaskalako-Hochebene
So. 26.8.01 Ab in die Nebelsuppe
Um 8 Uhr raus. Es ist kühl, wenig Sonne. Über ebene Blockfelder und eine Art "Pflastersteinstraße" geht es über die Jakatjkaskalako Hochebene an der Grenze des Nationalparks entlang zum Abmojaure. Ein Bach sorgt mit glitschigen, unter der Wasseroberfläche liegenden Trittsteinen für eine kurzweilige Balanciereinlage, bei der sich Martin nasse Socken holt. Dann ziehen langsam Nebelschwaden über die Hochebene. Wir wollen zu einer kleinen Schutzhütte, die in unseren Karten (von 1983) nordwestlich des Skierfe eingezeichnet ist. Das wäre ein Spitzen Basislager, von dem wir gemütlich auf den Skierfe spazieren und die "weltberühmte" Rapadalszenerie anschauen könnten. Den Nebel könnten wir dort gemütlich aussitzen. Steff, Martin und Micha machen Dampf. Ich gehe mit Dietmar langsam, tape meinen Hüftknochen mit Compeedpflaster, weil sich die Stelle immer öfter mit scharfen Stichen gegen den Hüftgurt wert - die Knochenhaut ist da wohl überreizt, hätte viel früher mit Compeed geschont werden müssen. Die anderen sind knatschig, weil wir so langsam sind und der Nebel immer dicker wird. Jetzt wird es lustig mit dem Hütte suchen. 50 bis 100 Meter Sicht. Wir schauen immer wieder auf die Karte. Kaum zu glauben, dass wir dann plötzlich "auf" der Hütte stehen, denn von unserer großen Hoffnung sind nur noch halbvermoderte Bretterwände übrig, die auf dem Boden liegen. Etwas weiter oben entdecken wir die ursprünglichen Verankerungen - deshalb findet man im Internet keinen Hinweis auf diesen Windschutz. Wir hätten wohl besser eine aktuelle Karte kaufen sollen. Na gut. In diesem Nebel geht nichts mehr. Zelte aufbauen und Körper mit Kalorien versorgen. Wir habe noch viel Zeit heute. Die Sicht geht auf 30 bis 50 Meter zurück. Micha fängt an, einen Steinofen zu bauen, denn wir haben noch Mehl zum Brotbacken dabei. Ein paar einzelne Hüttenbretter sammeln wir auf und heizen dann ein. Martin gibt aus seinem Rucksack 500g Mehl. Ich sage ihm, das er laut Verteilungsliste irgendwie 300g zuviel dabei hat. "Was??? das hat mir meine Frau mitgegeben - ich trag 10 Tage lang 300g zuviel herum und weiß es nicht" (Anmerkung des Autors: Tja, ich hätte ihm ja noch ein paar Steine dazugelegt). Wie auch immer, es ist ein Glück, denn ich habe zuviel Wasser in die Teigmischung getan und das klebrige Zeug will nicht mehr von den Fingern, geschweige denn zu einem Brot geformt werden. Mit dem zusätzlichen Mehl lässt sich der Schaden wieder beheben und wir haben eine Riesenteigkugel. Michas Fladen werden gut, für die Riesenkugel reicht der Platz im Ofen nicht, um sie flachzudrücken. Dietmar wirft sie dann einfach rein und das Ergebnis ist schließlich wie das Wetter - beschi...... Regen setzt ein, wir essen noch Mousse au Chocolat - gut für die Stimmung.
Mo. 27.8.01 Auf einem anderen Planeten
Di. 28.8.01 AbmarschSame Procedure as yesterday. Endlich mal echtes Sarekwetter - das war´s wovon wir zuhause ge(alb)träumt haben. Expeditionsbedingungen, ganze Kerle, Abenteuer ... Genug Abenteuer, wir bauen ab. Diskussion um das Wohin. Martin, Steff und Micha wollen zum Kungsleden und dann nach Saltoluokta laufen - zur Not an einem Tag. Dietmar und ich wollen nach Aktse und dann Richtung Tjamotis rausgehen. Dann hätten wir noch eine Chance auf den Skierfe, wenn das Wetter sich bessert. Allerdings ist der Boots-, Taxi- und Bustransfer zurück nach Gällivare umständlicher. Wir können uns nicht einigen und so marschieren wir gemeinsam immer den Windungen des Bachlaufs nach bis wir den Abmojakka erreichen. Die Nebelbank bleibt mit jedem Meter in tiefere Lagen zurück. Dann trennen sich die Wege. Mir fällt die Trennung schon schwer, aber auf die Skierfehoffnung will ich nicht verzichten. In 2 Tagen dann, auf ein Bier in Gällivare. Dietmar und ich queren auf einer Höhenlinie zum Kungsleden, die andern gehen dem Bach nach, Richtung Svine-Schutzhütte. Als wir den Kungsleden erreichen sehen wir Martin, Steff und Micha unten am Rand der Birkenwaldzone. Wir haben einen guten Überblick auf den Sitojaure. Der Weg nach Aktse zieht sich im Nieselregen so dahin, bis wir endlich den Hang nach Aktse absteigen und unter die Wolkendecke kommen - mit Blick auf das Rapadelta und den unteren Teil des Skierfe. In Aktse kaufen wir uns eine Bierbüchse. In dem Lädchen gibt es Spiritus, Schoki, Trangiaersatzteile, Grundnahrungsmittel bis hin zu Cola. Viel zu viele Leute hier - sind wir nicht mehr gewöhnt. Die Hütten der Fjällstation sind dermaßen überheizt, dass es uns gleich wieder zurückschlägt. Wir bauen das Zelt auf einem "Campingplatz" neben dem Weg auf (75skr/Pers). Kochen und essen tun wir drinnen. Wir schwatzen mit einem Düsseldorfer Ehepaar, das auf dem Kungsleden wandert und bekommen ein Bier spendiert. Die Gäste schleppen alles was feucht ist rein und heizen die Hütte noch mal um ein paar Saunagrade mehr auf - wie wollen die hier noch Schlafen??? Abends wird die Skierfespitze frei und wir denken schon, dass am nächsten Tag doch noch der ersehnte Rapadalblick vom Skierfe auf uns wartet.
Mi. 29.8.01 Aktse - Tjamotis - Jokkmokk - GällivareMistwetter, kein Skierfe in Sicht. Abmarsch zum Bootsanleger. Das Boot kommt und auf dem Fahrplan steht jetzt eigentlich eine Tour ins Rapadelta zum Nammatj, aber mangels Fahrgästen bekommen wir unseren Ride zum Kuolleluopal. Dort stehen 4Wheelautos und zwei Kanuten packen ihre Seekajaks für einen Trip ins Rapadelta. Wir nehmen den Schotterweg zum Parkplatz am Ostende des Tjaktjajaure unter die Stiefel. Endlos langweilige 10 km und die Achillessehne fängt an zu schmerzen. Auf dem Parkplatz wollen wir per Handy das Taxi rufen, aber die Nummer stimmt nicht. Zwei Schweden mit großer Fotoausrüstung organisieren für uns das Taxi - wir sind glücklich. Nach einer Stunde kommt ein ziemlich fertiger Volvo - das Taxi. An der tristen Bushaltestelle 3 Stunden warten auf den Bus. Dann geht es wieder Erwarten gut. In Jokkmokk eine Stunde warten, dann der Bus nach Gällivare - das ist echter Dusel. Um 21 Uhr 15 sind wir am Campingplatz und Micha, Steff und Martin begrüßen uns mit einem Bier. Klasse! Sie sind tatsächlich an einem Tag rausgelaufen. Haben an der riesigen Saltoluokta Fjällstation die Ausflügler in nigelnagelneuen sauberen HiTec-Klamotten begutachtet und sind schleunigst zum Bus weiter -Ankunft eine gute Stunde vor uns. Langer Abend, viel gelacht.
Do. 30.8.2001 Ein Hoch auf die GemütlischkeitGemütlicher Tag. Gällivare besichtigen und Pizza bestellen. Der Trockenschrank auf dem Campingplatz riecht wie eine Käserei - wir haben Stiefel und Socken reingehängt. Jetzt ist ´ne Sauna fällig, das tut gut. Und noch mal ein Saunagang. Seeehr gemütlicher Tag.
Fr. 31.8.2001 Sauna, Pommes, Hamburgare
Sa. 1. September 2001 Viel geplant und schon vorbei5 Uhr in der Nacht. Micha klopft auf seine Trangiatöpfe zum Wecken. Keine große Begeisterung, denn 5 Uhr 50 war ausgemacht - da hat er gestern was falsch verstanden. Mit Taxis zum Flughafen und ab in den Flieger. Der gemütlichste Flughafen Schwedens lässt uns ohne jegliche Gepäckkontrolle durch - 10 Tage später wird das wohl nicht mehr passieren.
copyright: Dieter Ziegler 2001
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