| Bretagne |
| Finistère - Reise ans Ende der Welt |
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Als christliche Kelten im 5. Jahrhundert aus Britannien vor den eindringenden Angeln und
Sachsen flohen, kamen sie ins damalige Armorika und nannten das Land Bretagne, Kleinbritannien. Der westliche Abschnitt der Bretagne wurde bereits von den Römern sehr
treffend Finis terrae, Ende der Welt, benannt. Wer heutzutage den Touristenmassen in
Modegebieten entfliehen will, dem bietet das Finistère eine herbe, von Klippen und
Leuchttürmen umsäumte Küstenlandschaft, die zudem noch mit zahlreichen natur- und kunsthistorischen Zielen aufwarten kann.
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| Langsam schwindet das warme Licht der
untergehenden Sonne. Die spitze Pyramidenform des Mont Saint-Michel erscheint wie ein märchenhafter Scherenschnitt, der sich aus der glitzernden Meeresoberfläche erhebt. In der lauwarmen Abendluft tippeln wir verspielt über den von der Ebbe freigelegten Sandstrand, folgen mehr oder weniger unseren Sprösslingen, die in diesem riesigen Sandplatz anscheinend vom Forscherdrang überwältigt wurden. Ein Priel muss überquert werden, und weil das Ganze so viel Spaß macht, überqueren wir ihn gleich noch ein paar mal. |
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Am optischen Schauspiel, das gerade abläuft, hat der Nachwuchs nicht allzu viel
Interesse. Ich dagegen bin fasziniert. Bei einsetzender Dämmerung werden die Lichter des Klosterberges
eingeschaltet, strahlen die dicken Steinmauern und die goldene Statue des Erzengels Michael auf
der Kirchturmspitze an, während im Hintergrund zu allem Überfluss noch der Vollmond aufgeht. |
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| So leuchtend wie er mir heute erscheint, ist der Erzengel wohl auch im Jahr 708 dem Bischof Aubert erschienen. Daraufhin wurde der Grundstein des späteren Bauwerks in Form einer kleinen Kappelle gelegt. Heute erreicht der dreigeschossige Wallfahrtsbau eine Höhe von knapp 150 Meter über dem Meer, und wer bis in die heiligen Klosterhallen vordringen möchte, muss zunächst die steile, enge und proppenvolle Souvenirladenstraße passieren. Die Mühe lohnt allemal, denn der Mont St-Michel steht nicht ohne Grund in der Liste der Weltkulturdenkmäler der UNESCO. |
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Erst die Dunkelheit und die kühle Meeresbrise treiben uns schließlich wieder ins Reisemobil. Auf
dem nahen Camping du Mont-Saint-Michel genießen wir das erste Urlaubsglas Rosé. Unser diesjähriger Reiseschwerpunkt ist der Westzipfel der Bretagne - das Finistère. Doch um ans Ende der Welt zu gelangen, werden dem Reisenden schwere Gewissensentscheidungen abverlangt. Eine stattliche Zahl von landschaftlichen, kunsthistorischen- oder naturkundlichen Anziehungspunkten verhindert in der Regel den reisemobilistischen Durchmarsch. |
| Den Besuch der mittelalterlichen Stadt Dinan verbuchen wir noch als Fahr- und Mittagspause. Immerhin
gehört Dinan zu den schönsten der nationalen Kulturdenkmäler, die sich "Ville d´Art et
d´Historie" nennen dürfen. Durch enge Gassen mit malerisch windschiefen Fachwerkhäusern
kommen wir zum Tour de l´horloge, dem Uhrturm, der einen herrlichen Überblick auf die verwinkelte Altstadt und das Tal der Rance bietet. Auf dem Weg hinunter zum Ufer der Rance verschwindet Susanne oftmals in einer der Werkstätten - Seidenmaler, Glasbläser und andere Kunsthandwerker lassen sich bei der Arbeit über die Schulter schauen. Bis wir schließlich in einer Crêperie dem landestypischen Essgenus frönen, sind dann auch gute zwei Stunden vergangen. |
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Bei der Weiterfahrt lassen wir das Cap Fréhel einfach rechts liegen, obwohl wir in Erinnerung an die herrliche Steilküste, die Strandbuchten und die Vogelfelsen doch einen gewissen Rechtsdrall verspüren. Auf Höhe der Côte de Granit Rose allerdings ist es mit der Selbstbeherrschung vorbei. Zudem fällt mir nun ein, dass ich auf der letzten Bretagnereise übervorteilt wurde: während Susanne damals den berühmten Zöllnerpfad entlang wanderte, durfte ich das Ehrenamt des Kinderhütens übernehmen. Die Campingplätze zwischen Treguier und Trébeurden sind - wen wundert's - recht voll, und so decken wir uns auf dem Markt von Lannion erst mal mit frischen Nahrungsmitteln ein. Abseits der Hauptattraktionen finden wir auf dem Campingplatz Beg-Léguer eine überraschend grüne Wiese, auf der wir sogar reichlich Platz zum Ballspielen haben. Den nächsten Vormittag verbringen wir am recht ruhigen, aber dennoch schönen Strand unterhalb des Campingplatzes und warten auf die Ankunft von Freunden, die wir telefonisch über unseren Aufenthaltsort benachrichtigt haben. Zusammen mit Kurt, Martina und dem kleinen Frieder fahren wir dann am Spätnachmittag zur Hauptattraktion der Côte de Granite Rose, dem Küstenabschnitt zwischen Perros-Guirec und Ploumanac´h. |
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Abends, wenn die Sonne die Felsen
in (fast) rosarotes Licht taucht, verwandelt sich die Landschaft um den Leuchtturm "Phare de
Pors Kamor" bei Ploumanac´h in eine reale Postkartenidylle. Wir wandern auf dem Zöllnerpfad
die Küste entlang. Eingebettet in Heidekraut oder gelbleuchtenden Ginster stehen teils haushohe |
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| Schnurstracks fahren wir jetzt über Brest hinaus an die Westküste. Martina hat uns mit ihrer Beschreibung einer gut 1000 Meter breiten weißen Sandbucht, dem "Plage des Blancs Sablons", bei le Conquet, einen Floh ins Ohr gesetzt. Die Anmeldung auf dem Campingplatz Le Theven kann nicht schnell genug gehen, schon stehen die Kids mit den notwendigsten Utensilien bereit. Mit Eimerchen, Schaufel, Kescher, Drachen, Schwimmbrett und weiteren Kleinigkeiten beladen geht´s an den Strand. Ein richtiges Fit for Fun-Gelände. Per Lenkdrachen lässt sich ein Strandbuggyfahrer über die Piste ziehen, auf nassem Sand wird Boule gespielt, in den Wellen vergnügen sich die Bodysurfer, während die Windsurfer elegant über die Schaumkronen und kleinen Brecher springen. | ![]() |
| Kurt ist leidenschaftlicher Krebs-, Muschel- und alles Mögliche-Sucher. Er steuert, mit den Kindern im Schlepptau, auf einige Felsen zu, wo in den Gezeitenpools zahlreiches Getier auf die nächste Flut wartet. Mit Keschern wird das Wasser durchsiebt, jede Ritze untersucht. Die Fische sind zu schnell, aber ein Seestern landet zum Begutachten im Eimer. Die kleinen Krebschen und Garnelen werden in ein Plastikglas mit aufgesetzter Lupe gesetzt. Es ist auch für mich absolut faszinierend, was sich alles so in den Pfützen tummelt. Erst die einsetzende Flut setzt dem Spiel ein Ende - die gefangenen Tierchen werden wieder in ihr feuchtes Medium entlassen. Le Conquet ist ein kleiner Fischerort und Ausgangspunkt für eine Fahrt mit dem Schnellboot zur Ile d´Quessant, einer kargen Insel, auf der sich Kegelrobben und Seehunde beobachten lassen. Auf die einstündige Bootsfahrt haben wir allerdings wenig Lust. Lieber wandern wir zur Pointe de Kermorvan, füttern die großen Silbermöwen, die im Aufwind an den Klippen dicht an uns vorbeisegeln und balancieren schließlich über rundgeschliffene Riesenkiesel zum Cromlec´h de Kermorvan, einer Burgruine, die nur bei Ebbe zugänglich ist. Im Windschatten der Ostseite lässt es sich im weichen Gras gut aushalten. Aber Vorsicht vor einem allzu gemütlichen Schläfchen ist angebracht - wer die auflaufende Flut verpennt, kann sich gleich 6 Stunden länger hinlegen.
Der westlichste Punkt der Bretagne und damit das Ende der alten Welt liegt nicht etwa, wie oft |
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Nicht weit entfernt befindet sich der Phare de Trézien. Es ist schon eine mühselige Angelegenheit
eine Leuchtturmwendeltreppe hochzuzirkeln, und als wir endlich oben stehen, leuchtet das Meer
so blau und verführerisch, dass wir bald wieder absteigen und es uns in einer Sandbucht gemütlich
machen. Erst später können wir uns noch einmal aufraffen und fahren zur wohl schönsten
Panoramastraße an der Westküste. Zwischen Argenton und Kersaint führt diese Route
Touristique immer dicht am Meer entlang mit herrlichen Ausblicken auf vorgelagerte Felsinseln. An den Straßenrändern kann jederzeit geparkt werden, um einen Spaziergang oder eine längere Wanderung zu unternehmen. |
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| Als Hauptattraktion unserer Reise steht die Crozon-Halbinsel auf dem Plan. Kurz nach der gewaltigen Brückenkonstruktion der Iroise Hängebrücke über den Fluss Elorn (mit 800 Metern Länge, die längste Schrägseilbrücke der Welt) stoppen wir in Plougastel-Daoulas. Hier ist der größte Calvaire (Kalvarienberg) der Bretagne zu besichtigen, der in 2 Jahren Bauzeit nach der Pestepidemie von 1598 erstellt wurde. 180 Granitfiguren in 20 Szenen über 2 Etagen verteilt, zeigen den Lebens- und Leidensweg Christi. | ![]() |
| Bei Camaret-sur-Mer, am westlichsten Abschnitt der Crozon-Halbinsel, quartieren wir uns für die nächsten Tage auf dem Camping du Grand Large "Lambezen" ein, denn die Halbinsel hat einiges zu bieten. Der interessanteste Abschnitt, die Pointe de Pen-Hir, bildet mit seinen steilen Felsklippen inmitten üppiger Heidekrautflächen den optischen Leckerbissen. Wie an einer Perlenschnur aufgereiht, ragen drei Felsinseln aus dem Meer vor der Landspitze. Die "Tas de Pois" sehen genauso aus, wie sie benannt sind - wie Erbsenhaufen. | ![]() |
| Nach dem ersten Rundgang entlang des Klippenrandes, führt uns Kurt zu einer Felswand, die für Sportkletterer teilweise mit einbetonierten Edelstahlhaken eingerichtet wurde. Der ideale Platz um dem ungestümen Bewegungsdrang von Jan und Frieder freien Lauf zu lassen. Wir haben die nötige Ausrüstung mitgebracht, klinken ein Seil in den obersten Haken, dann können die Jungs an den großen Griffen hinaufturnen. Die Route ist wie geschaffen für die kindlichen Körperproportionen und so kommt auch keine Angst auf, da immer ein großer Henkel und ausreichend Tritte vorhanden sind. Zum würdigen Abschluss des Tages halten wir auf der Rückfahrt zum Campingplatz am Alignement mégalithe de Toulinguet, einem großen Menhirfeld, an und breiten uns mit gut gefülltem Picknickkorb auf dem kurzgrasigen, trockenen Rasen unter den Hinkelsteinen aus. Mit den Menhirfeldern bei Carnac ist das hier zwar absolut nicht zu vergleichen, dafür gibt es hier aber keine Zäune, Zuschauertribünen und Eintrittsgelder - im Grunde ist dieses Alignement eben "nur" eine schöne Picknickwiese. |
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Die Tage vergehen wie im Flug. Bei einer Rundfahrt um den Pointe de Espagnols blicken wir auf
den Hafen von Brest, und Jan ist ganz begeistert, weil gerade ein mausgraues, kanonenbestücktes
Schlachtschiff in Richtung Militärbasis dampft. An der Pointe de Dinan geht es zu Fuß über einen
natürlichen, vom Wasser unterspülten Torbogen zur grandiosen Naturfelsenburg Château de
Dinan. Rosa leuchtendes Heidekraut, blauer Himmel und ein gelbes Seekajak auf dem
ultramarinblauen Meer, das ist schon ein überwältigender Kontrast, und wir stellen einmütig fest,
dass unsere Erwartungen an die Crozon-Halbinsel bei weitem übertroffen wurden. Beim abendlichen Boulespiel auf dem Campingplatz, zur besseren Treffsicherheit natürlich durch gekühlten Rosé unterstützt, gibt jeder seine Vorstellungen zum Besten, was wir denn in den letzten Urlaubstage noch so alles tun könnten. Trotz weinseeliger Stimmung stellen wir aber bald fest, dass die Anzahl der verbleibenden Tage um den Faktor 10 zu klein ist - dumm gelaufen, das mit dem Timing. |
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Eines sollte man jedoch auf keinen Fall versäumen: die kulinarischen Spezialitäten der Bretagne erleben. Crêpes, Galettes und Meeresfrüchte lassen sich auf der Crozon-Halbinsel zum Beispiel in Morgat genießen. Allerdings ist es nicht jedermanns Sache, sich an einer typischen plate de fruit de mer zu ergötzen. Krabben, Krebse, Hummer, Garnelen, Austern, Jakobsmuschen und Schnecken müssen mehr oder weniger fachmännisch aus ihren Gehäusen gepult werden. Scheren knacken ist noch eine der leichteren Übungen, aber an der Frage, ob dieser braune musige Brei im Inneren einer Seespinne zu den essbaren Dingen gehört, scheiden sich schnell die Geister - am besten man schaut, ob am Nachbartisch kundigere Fachkräfte am werkeln sind. Obwohl zum Essen ein Wein obligatorisch ist, sollte man den Cidre auf keinen Fall links liegen lassen. |
| Die Rückreise nutzen wir noch für einen
Bummel durch das mittelalterliche (autofreie) Dorf Locronan. Locronan lebt
von seinem touristischen Ruf. Die Granithäuser um den Kirchplatz
sind wirklich sehenswert und werden auch gerne als Kulisse für
mittelalterliche Filme genutzt. Dennoch werde ich, trotz der über das Kopfsteinpflaster klackernden Pferdekutsche, nicht richtig warm mit dem Dorf und mir drängt sich der Eindruck auf, das Ganze sei einzig eine Souvenir- und Kaufkulisse. Ganz anders dagegen gibt sich das malerische Städtchen Josselin auf der Inlandroute von Quimper nach Rennes. Neben dem imposanten Château, dessen von Dornröschentürmen flankierte Festungsmauer fotogen über dem Flüsschen Oust aufragt, bietet die Altstadt eine natürlich belebte Atmosphäre - ideal für eine Bummelpause und für uns letzte Gelegenheit noch einmal ein paar typisch bretonische Köstlichkeiten zu versuchen. |
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Weitere Tipps & Sehenswürdigkeiten (Stand 1999):
Côte de Granit Rose: Christianisierter (nachträglich mit einem Kreuz versehener-) Menhir de
St-Uzec, zwischen Pleumeur-Bodou und Penver, außerdem
Telekommunikationsmuseum in Pleumeur-Bodou, Vorführungen in der 50m hohen, weißen
Kuppel (Erwachsene 45.- FF, Kinder 35.-FF), www.telecom-museum.com
Bei Morlaix: Cairn de Barnenez, ein 70 Meter langes Hügelgrab (Tumulus)
Leuchtturm Pointe de St-Mathieu inmitten der Ruinen einer alten Benediktinerabtei
Oceanopolis, Aquarium und Freizeitpark für Meereskunde in Brest, Meeresfauna der Bretagne
(Erwachsene 50.- FF, Kinder 30.-FF), www.oceanopolis.com
Fahrrad, Roller, Kajakvermietung auf der Crozon-Halbinsel in Camaret sur Mer (1 Stunde:
Fahrrad 20.-FF bis 25.-FF, Roller 30.- FF, Kajak 2 Std. 80.-FF)
Guter Tip, falls die berühmten Menhir-Reihen von Carnac besichtigt werden sollen:
Campingplatz auf der Quiberon-Halbinsel nehmen, fantastische Strandbuchten an der Côte
sauvage, gute Meeresfrüchteplatten in Quiberon.
Campingplätze:
Camping du Mont-Saint-Michel, siehe ADAC-Campingführer NO405
Camping Beg-Léguer, Von Lannion in Richtung Trébeurden, ausgeschildert, Tel. 96 47 25 00
22 300
Camping Le Theven, Le Blancs Sablons - 29217 Le Conquet, Tel: 02 98 89 06 90
Camping du Grand Large "Lambezen", 29570 Camaret sur Mer, ca. 2km nordöstlich von
Camaret sur Mer, Tel: 0 298 279 141